Offener Brief an Bundesminister Dr. Karsten Wildberger
In einem offenen Brief an den Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) fordert der Präsidiumsarbeitskreis „Digitale Souveränität“ gemeinsam mit den Arbeitskreisen „Open Source Software“ und „Datenschutz und IT-Sicherheit“ sowie dem ZKI e.V. mehr Digitale Souveränität an Hochschulen und sieht dringenden Handlungsbedarf für eine faire Marktsituation (openDesk vs. Microsoft)
Sehr geehrter Herr Bundesminister Dr. Wildberger,
Die digitale Ausbildung einer ganzen Generation wird heute in einem von US-Technologien geprägten Ökosystem geprägt, das für Deutschlands digitale Souveränität zu einer strategischen Sackgasse wird.
Während Microsoft 365 für Studierenden kostenlos angeboten wird, kostet die datensouveräne deutsche Alternative openDesk 45 Euro netto pro Nutzer und Jahr. Durch die Subventionierung durch Microsoft wird der Wettbewerb verzerrt. Für eine mittelgroße Universität mit 30.000 Studierenden bedeutet die Nutzung von OpenDesk zusätzliche Kosten von über 1,6 Millionen Euro jährlich – eine Hürde, die den Wechsel zur gewünschten Eigenständigkeit wirtschaftlich unmöglich macht.
Ein Alarmzeichen sind die explodierenden Microsoft-Ausgaben des Bundes, die sich von 2023 bis 2025 nahezu verdoppelt haben und inzwischen fast eine halbe Milliarde Euro betragen (2023: 274 Millionen; 2024: 347,7 Millionen; 2025: 481,4 Millionen). Wir bezahlen nicht nur für Software, sondern laufen Gefahr, die digitale Handlungsfähigkeit unserer zentralen Bildungs- und Forschungsinfrastrukturen an nicht-souveräne Ökosysteme zu verlieren.
Das Problem im Kern
| Aspekt | Microsoft 365 (Education) | openDesk (ZenDiS) |
| Kosten für Hochschulen | Kostenlos (z.B. Office 365 A1 Plan) | 45 € netto / Studierende / Jahr; über 1,6 Millionen Euro / Jahr für mittelgroße Uni mit 30.000 Studierenden |
| Datensouveränität | Datenhoheit beim US-Anbieter. Auch wenn Daten in der EU gespeichert werden, unterliegen sie dem CLOUD Act | Volle Datenhoheit, Betrieb in DSGVO-konformen deutschen/ europäischen Rechenzentren möglich |
| Langfriststrategie | Langfristige Bindung an ein geschlossenes Ökosystem ("Vendor-und Cloud-Lock-in") | Unabhängigkeit durch offene Standards und quelloffene Komponenten |
Es ist ein strategischer Widerspruch, dass eine bundeseigene Lösung (ZenDiS wurde im Auftrag des Bundesinnenministeriums gegründet) gegen ein subventioniertes Produkt eines ausländischen Marktführers antreten muss und dabei als „Kostenfaktor“ dasteht.
Unsere zentrale Forderung an Sie
Setzen Sie sich unverzüglich für eine Lösung ein, die openDesk für alle Studierenden zu denselben Konditionen wie Microsoft 365 – also kostenfrei – verfügbar macht. Nutzen Sie die Zuständigkeit Ihres Hauses für die IT-Beschaffung des Bundes und die digitale Souveränität, um bis Mitte 2026 die Grundlage zu schaffen, dass sich digitale Eigenständigkeit im Bildungsbereich auch praktisch durchsetzen kann.
Es besteht dringender Handlungsbedarf
Vor dem Hintergrund der Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS 2025) der USA, die u.a. darauf abzielt, monopolistische Positionen für US-Technologien auszubauen und strategische Abhängigkeiten („dependencies“) zu vertiefen, besteht dringenderHandlungsbedarf.
Herzlichen Dank vorab für Ihre Bemühungen.
Für Rückfragen und einen fachlichen Austausch stehen wir gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Harald Wehnes, Sprecher des GI-Präsidiumsarbeitskreises „Digitale Souveränität“
Prof. Dr. Julian Kunkel, Sprecher des GI-Arbeitskreises „Open Source Software“
Dr. Martin Weigele, Sprecher des GI-Arbeitskreises „Datenschutz und IT-Sicherheit“
Torsten Prill, Vorsitzender Zentren für Kommunikation und Informationsverarbeitung in Lehre und Forschung e.V. (ZKI)

